„Ich möchte den Rutsch Sport noch bekannter machen und bis zum Jahresende die Führung in der DRV Rangliste verteidigen.“
Sven Schubert (23), Teammitglied der Rutsch Freunde Hameln, begann seine Profikarriere Ende 2013. Seitdem konnte er zahlreiche Erfolge einfahren und ist amtierender Deutscher Meister im Wett- und Rennrutschen. Angetrieben durch seinen Ehrgeiz hat er sich in den letzten zwei Jahren zu einer festen Größe im Rennrutschen entwickelt. Im Interview mit dem DRV spricht Sven Schubert über seine bisherigen Erfahrungen und weitere Ziele.
Hinweis: Dieses Interview entstand im Vorfeld der Saison 2016 und wird im Zuge des Website-Relaunches erneut veröffentlicht.
DRVWie bist du auf das Rennrutschen aufmerksam geworden?
Eine Frage, die mir häufig gestellt wird. Ende 2013 habe ich zufällig eine Ausschreibung für eine Rutschmeisterschaft im Schwimmbad in Osterode gesehen. Damals konnte ich leider noch nicht gewinnen, aber mein Interesse war sofort geweckt und ich informierte mich über weitere Wettkämpfe.
DRVMittlerweile bist du zweifacher Deutscher Meister. Wie erklärst du dir den schnellen Aufstieg?
Als ehemaliger Leistungsruderer habe ich gute körperliche Voraussetzungen für das Rennrutschen. Durch viel Training auf verschiedenen Rutschen konnte ich dann auch meine Technik deutlich verbessern. Dazu kommt noch, dass viele Rutscher mich anfangs sicherlich unterschätzt haben. Ansonsten muss ich mich wohl bei meiner Mutter bedanken, die unermüdlich meine Badehosen wieder zusammennäht. Viele Badehosen sind leider nicht für Geschwindigkeiten über 40 km/h und gelegentliche Flugeinlagen in der Rutsche ausgelegt.
DRVWas sagt dein Umfeld zu diesem doch etwas ungewöhnlichen Sport?
Zu Beginn konnte niemand etwas mit dem Begriff „Rennrutschen“ anfangen. Mittlerweile hat sich das geändert und der Sport wird mit großem Interesse von meinem Umfeld verfolgt. Zur Deutschen Meisterschaft 2016 in Scharbeutz wird auch ein Teil meiner Familie kommen. Das freut und motiviert mich natürlich sehr!
DRVWas ist dein Erfolgsrezept auf der Rutsche?
Enge Badehose, schneller Start und eine Abwandlung der Dreipunkttechnik. Ich rutsche nicht auf den Schulterblättern, sondern dazwischen. In Worten ist das recht schwierig zu erklären, aber ich probiere es mal. Man drückt seine Schultern nach oben, also das genaue Gegenteil von dem, was man bei der Dreipunkttechnik macht. So kriegt man eine halbwegs glatte Fläche zwischen den Schultern, auf die das Körpergewicht fokussiert wird. Die Arme werden um 90 Grad angewinkelt und unterstützen das Hochdrücken der Schultern. Wenn sich die Fingerspitzen leicht berühren, kann man über die Unterarme eine Art V, ungefähr über dem Kopf, bilden. Ich fürchte davon muss ich mal ein Foto machen, da es sonst wahrscheinlich niemand versteht. Insgesamt hat man durch diese Technik etwas mehr Stabilität und kriegt ein besseres Feeling für den Verlauf der Rutsche. Ansonsten ist es wichtig den Hintern über der Wasseroberfläche zu halten und eine ordentliche Körperspannung aufzubauen. Je weiter man die Beine streckt, desto einfacher ist es meistens eine hohe Körperspannung aufzubauen. Allerdings ist es dann auch wieder schwieriger den Hintern über der Wasseroberfläche zu halten. Da hilft nur ausprobieren und gucken, was am besten klappt. Ich denke sowieso, dass es nicht nur eine erfolgreiche Technik gibt, sondern mehrere. Es hat schließlich jeder Mensch einen individuellen Körperbau.
DRVVielen Dank für die ausführliche Erklärung! Was sind deine weiteren Ziele für die Zukunft?
Ich möchte den Rutsch Sport noch bekannter machen und bis zum Jahresende die Führung in der DRV-Deutschland Rangliste verteidigen. Ansonsten hoffe ich auf viele weitere schöne Momente, die diese Sportart immer wieder mit sich bringt. Es ist einfach überwältigend, wenn man aus dem Auslauf geschossen kommt und Faszination in den Augen von alt und jung auslösen kann.
DRVWie bereitest du dich auf Wettkämpfe vor?
Ich mache außerhalb der Rutsche sehr viel Krafttraining. Das ist wichtig für den Start und auch innerhalb der Rutsche, wo teilweise extrem hohe Gravitationskräfte wirken. Ansonsten kann man die Körperspannung nicht halten oder baut zu wenig Geschwindigkeit am Start auf. Außerdem schaue ich mir vor den Wettkämpfen immer noch Fotos und Videos von den Rutschen an. Ohne ein gut eingeprägtes visuelles Bild vom Verlauf der Rutsche finde ich es sehr schwierig auf absolute Topzeiten zu kommen. Viel Reaktionszeit bleibt bei den hohen Geschwindigkeiten schließlich nicht.
DRVVon einigen Leuten wirst du als „Bahnrekordjäger“ bezeichnet. Wie kommt es zu diesem Spitznamen?
Diesen Spitznamen hatte ich schon, bevor ich die meisten meiner Bahnrekorde aufgestellt habe. Vermutlich liegt es an meiner zielstrebigen Art die Topzeiten auf den jeweiligen Rutschen zu knacken. Teilweise rutsche ich mehrere Stunden und selbst wenn keine Power mehr vorhanden ist, glaube ich noch irgendwie daran den Bahnrekord zu unterbieten.
DRVHast du noch ein paar abschließende Worte zu sagen?
Ende 2016 wird es auch in meiner Heimat (Hannover) eine Rutsche mit Zeitanzeige geben. Darauf bin ich schon sehr gespannt!
